Tagesseminar am Samstag, 27. April 2019 von 10:00 – 18:00 Uhr in Kreuzberg, Oranienstr. 34 (Räume des Migrationsrats)
Veranstaltet von: AK Sozialpsychologie und Ideologiekritik
Im Tagesseminar wollen wir die Frage diskutieren, ob, und wenn ja, wie die klassischen Studien zum autoritären Charakter von Adorno et al. helfen, die reaktionären Tendenzen der Gegenwart zu erklären. Die Textgrundlage ist der Abschnitt II.B zur Konstruktion der F-Skala aus dem Buch „Studien zum autoritären Charakter“ (Suhrkamp). Wir können das Buch auf englisch zusenden.
Eine gewisse Vertrautheit mit den „Studien zum autoritären Charakter“ setzen wir voraus. Das Seminar ist nicht als erste EInführung konzipiert, sondern soll vor allem der gemeinsamen Diskussion dienen. Anhand von Inputs und in kleineren Workshops soll dann die Frage diskutiert werden: Wie kann die Theorie des autoritären Charakters kritisch und aktualisierend für heute gelesen werden?
Eine Anmeldung ist wegen begrenzter Teilnehmer*innenzahl erforderlicherforderlich: ak_sozpsy bei riseup.net
Workshop „Subjekt & Gesellschaft. Autonomie & Unterwerfung“
Sa, 13-04-19 13-18 Uhr Marchstr. 23 TU Berlin
Martin Fries: Subjekttheorie: Warum ist das wichtig und worüber streiten sich die Leute?
Sonja Witte: Fehltritte – Zum Unbewussten zwischen Subjekt und Gesellschaft
Emanuel Kapfinger: „Werden, was man ist“ und „Kampf um Anerkennung“. Eine materialistische Ausbeutung von Hegels Subjekttheorie
Sahra Dornick: Das Postsouveräne als Deutungsrahmen und Denkfigur
Der Workshop steht allen Interessierten offen. Es wird einen Reader zur Vorbereitung geben. Um Anmeldung wird gebeten: subjekt-autonomie@riseup.net
Zur Diskussionskultur der Linken
Vor kurzem erschien eine wütende Replik auf einen Text von mir: Sie sprach meinem Text eigenen Sinn und argumentative Kraft ab und diffamierte meine Person. Das Ziel der Replik war es, meine Argumentation für die Debatte zu entqualifizieren und mich aus ihr hinauszudrängen.
Der Text von mir war „Gegen alte und neue linke Erzählungen“, erschienen in der analyse & kritik vom Januar, die Replik war von Alexander Neupert-Doppler, in der Februarausgabe derselben Zeitung.
WeiterlesenKrahl
Die Frage, die sich mit Hans-Jürgen Krahl verbindet, ist folgende: Kann es eine marxistische, praktisch-revolutionäre Rezeption der Kritischen Theorie geben?
Krahl ist leider sehr früh gestorben, mit 27, und es gibt keine im eigentlichen Sinn wissenschaftlichen Texte von ihm, allerdings zahlreiche Reden, Manuskripte, und kleinere veröffentlichte Texte.
Bei Krahls Texten ist eine Sache schwierig: Er schreibt und spricht immer in einer eigenartigen Vermengung von Agitator, politischer Strategie und Theorieinteresse. Das macht die Bezugnahme auf Adorno dann z. T. auch widersprüchlich.
Einige Hinweise für das Studium Krahls:
http://audioarchiv.blogsport.de/2010/02/23/material-zu-hans-juergen-krahl/
Das Unabgegoltene in der Auseinandersetzung um Adorno
Das Verhältnis zur Kritischen Theorie, und das heißt letzten Endes dann immer zu Adorno, ist kompliziert. Damit meine ich das Verhältnis, das wir heute (2019) aus der Sicht einer praktischen emanzipatorischen Bewegung und deren Theorie, und beides vor dem Hintergrund der historischen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten, zur Kritischen Theorie und im Besonderen zu Adorno einnehmen.
WeiterlesenMarx‘ Kritik des Utopismus
Zeitungsartikel von mir, erschienen in der Zeitung „analyse & kritik“ vom 15.01.2019:
Gegen alte und neue linke Erzählungen
Marx‘ Kritik des Utopismus ist noch immer aktuell
Die ersten Absätze: „Wir brauchen eine neue linke Erzählung. Wir brauchen Utopien, mit denen wir die Menschen für das linke Projekt begeistern können. Solche oder ähnliche Appell erklingen in linken Debatten immer häufiger. Die Idee: Nur so können wir eine Perspektive über das Bestehende hinaus entwickeln.
Utopien bieten aber gerade keine Perspektive über das Bestehende hinaus. Sie sind antikapitalistisch, gehen aber an der emanzipatorischen Praxis der Gegenwart vorbei.
Das betrifft auch den von analyse und kritik mit herausgegebenen Band »Neue Klassenpolitik«: Darin wird eine neue linke Erzählung für nötig befunden, die den Menschen wieder eine Zukunftsvision ermöglicht, sie mit einem »Traum von einer anderen Welt« aufrüttelt.“
„Neue linke Erzählung“?
In letzter Zeit stolpere ich ziemlich oft darüber, dass bestimmte Teile der (radikalen) Linken die bürgerlichen Ideale Freiheit, Gleichheit, Solidarität hochhalten.
Sebastian Friedrich hat ein Buch herausgegeben mit dem Titel „Neue Klassenpolitik“. Er schreibt darin:
„Die Koordinaten linker Politik sind Gleichheit und Freiheit. Gleichheit im ökonomischen Sinne als gleiche Teilhabe aller am Reichtum einer Gesellschaft, Freiheit im Sinne der freien Entfaltung, und beide gedacht als sich wechselseitig bedingend.“ (https://www.neues-deutschland.de/…/1104663.linke-gesellscha…)
WeiterlesenHegels „Phänomenologie des Geistes“ von 1807
Auf Einladung von Michael Beron trage ich in seinem Zizek-Seminar vor zum Thema:
„Hegels ‚Phänomenologie des Geistes‘ von 1807“
Ihr könnt also gern dazu kommen, für eine Einführung in das Buch und die darin entwickelte Theorie.
Dienstag, 6. November, 14:00 Uhr
TU Berlin, Hauptgebäude, dritter Stock, Raum H 3003 A
Marxistisch? Linksradikal?
Ich bin im Lauf des letzten Jahres dazu gekommen, dass man die Begriffe „marxistisch“ und „linksradikal“ irgendwie durch andere ersetzen muss (was natürlich auch eine Bedeutungsänderung bedeutet). Denn wenn man sagt „marxistisch“, dann meinen die falschen Leute, dass man etwas zu ihrem Diskurs beiträgt – namentlich der Marxismus-Leninismus, das Hauptwiderspruchsdenken, Kommunismus als Aufgabe einer Partei; während die richtigen Leuten einen in die falsche Ecke stellen – also die des „offiziellen“ Marxismus.
Vom „Linksradikalen“ muss man sich mein‘ ich distanzieren, weil letztlich nur diese fundamentale Negation oder Opposition zur herrschenden Gesellschaft darinsteckt, während es ja eigentlich um die Arbeit und Emanzipation innerhalb der gegenwärtigen wirklichen Beziehungen und ihren Konflikten und Widersprüchen geht. Der Kommunismus ist die „wirkliche Bewegung“ (Marx). Hinzukommt, dass das Linksradikale aufgrund der fundamentalen Opposition letztlich in den bürgerlichen Kategorien der Konfrontation der politischen Macht denken muss, und nicht von einer gesellschaftlichen Macht von unten aus.
Durch was die Begriffe ersetzen? „Linksradikal“ kann man ersetzen durch „antikapitalistische antiautoritäre Bewegung“. Was natürlich auch eine andere Praxis beinhaltet. „Marxistisch“ muss man je nach Kontext ersetzen, z. B. „gemäß Marx“, Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft oder ähnlich.
Die rechten Mobilisierungen nach Chemnitz …
… diskutieren wir morgen (Mittwoch, 12.9.) um 19 Uhr in unserem Arbeitskreis zu Sozialpsychologie und Ideologiekritik. In dem geht es insgesamt gerade um eine Aktualisierung der klassischen Theorie des autoritären Charakters.
Bei Interesse kommt gern dazu.
Folgende Fragen sollen diskutiert werden:
a) Was ist der genaue (projektive) Gegenstand des rechten Hasses in
Chemnitz, was will er erreichen, und wie begründet er sich in seinem
eigenen Selbstverständnis?
b) Der Schulterschluss bzw. die Bündelung
verschiedener Spektren der extremen Rechten (AfD, Pegida,
„Straßen-Nazis“, Hooligans) und das Gewährenlassen der Rechten durch den
Staat;
c) als auslösendes Phänomen der „Mord an einem Deutschen
durch Geflüchtete“, in dem sich offenbar eine intensive emotionale Lage
so sehr reflektiert, dass es unmittelbar packend für eine große Masse
ist,
und das zugleich selbst schon ein projektives Phänomen ist;
d) die massenpsychologische Dynamik, in der sich viele gleichzeitig
angezogen fühlen und dann als Masse und darum ihrer selbst sicher und
enthemmt agieren können.