Die Linkspartei nach der Europawahl

Der ehemalige Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Jan von Aken hat im “Freitag” im Nachgang zur Europawahl mit dem desaströsen Ergebnis für die Linkspartei von 2,7 Prozent Thesen zur Erneuerung der Partei geschrieben. Ich finde seine einzelnen Forderungen nicht falsch (Mandate auf Zeit, Kita-Plätze fordern), aber mir fehlt in seinen Thesen die Erkenntnis, dass die Partei in einer wirklich tiefen Krise ist, aus der nur eine sehr grundlegende Neuausrichtung und Restrukturierung herausführen kann. Von Aken behauptet einfach, „dass wir die Talsohle jetzt durchschritten haben“, ab jetzt könne es nach vorne gehen, und das einzige Argument ist, dass er hoffnungsvolle Zeichen sieht.

Die krasse Wahlniederlage macht vielmehr offiziell, dass es einen wirklichen Bruch mit dem Bisherigen und eine inhaltlich-programmatische Neuausrichtung braucht. Dazu hier einige Überlegungen.

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Hegel, der klandestine Aktivist

Am Vorabend des Mai 1968 veröffentlicht der französische Hegel-Forscher und Marxist Jacques d’Hondt dieses faszinierende kleine Stück “Hegel clandestin“. Es zerstört den Mythos von Hegel als “preußischem Staatsphilosoph” und enthüllt einen militanten Hegel, eine Art linksradikaler Autonomer.

Ein Hegel, der in zahlreichen Kontakten mit radikalen Aktivisten stand, ständig von der Polizei überwacht wurde und das Prestige seines Amts benutzte, um “Genossen” in ihren Gerichtsprozessen zu unterstützen. Am bewegendsten ist es, wenn d’Hondt erzählt, wie Hegel eines Nachts Hegel mit seinen Studenten auf einem Boot – klandestin im Schutz der Dunkelheit – zum Gefängnis fährt, um Kontakt mit einem inhaftierten Aktivisten aufzunehmen.

Hans-Jürgen Krahl en español

En los últimos años, parece haber crecido el interés por Krahl no sólo en el mundo germanoparlante, sino también a escala internacional. Por ello, voy a documentar aquí las traducciones al español:

In den letzten Jahren scheint es nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern auch international ein wachsendes Interesse an Krahl zu geben. Ich dokumentiere daher hier spanische Übersetzungen:

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Zur Krise der Linkspartei

Über eine der Hauptursachen für die aktuelle Krise der Linkspartei wird m. E. überhaupt nicht diskutiert, nämlich die mittlerweile erreichte Apparathaftigkeit und Institutionalisierung der Partei. Dabei ist das Problem eigentlich durch das Schicksal der Grünen mit ihrem „Marsch durch die Institutionen“ wohlbekannt: Dass nämlich durch die Etablierung der Partei eine große Zahl von Stellen entstehen, die eine längerfristige bis dauerhafte Berufsperspektive und ökonomische Sicherung versprechen, und auf die hin Linke ihre Ausbildung, ihre Bedürfnisse, ihr Leben ausrichten. Viele von ihnen werden nicht unbedingt bereit sein, dies aufzugeben, auch wenn sie dies im politischen Leben nicht öffentlich sagen können, weil die Fiktion des „politischen Idealismus“ eben zum Parlamentarismus gehört. Man macht nicht Politik, um Geld zu verdienen, sondern um der Sache willen. Teilweise werden sie es sich auch selbst nicht eingestehen. Sie werden dann keine Politik machen, mit der sie ihre Stelle riskieren.

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Was tun gegen die radikale Rechte?

Um dem Rechtsruck Einhalt zu bieten und der drohenden Gefahr einer Faschisierung zu begegnen, genügt es nicht, für Demokratie und Menschenrechte Flagge zu zeigen und die politischen Organisationen der radikalen Rechten (AfD etc.) unter Repression zu stellen.

Sondern man muss an die Ursachen des Rechtsrucks ran: Das aufheben, woraus er entsteht.

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Kritische Theorie der extremen Rechten

Soeben ist der Open-Access-Sammelband Kritische Theorie der extremen Rechten. Analysen im Anschluss an Adorno, Horkheimer und Co im transcript Verlag erschienen, herausgegeben von Leo Roepert. Mein Beitrag heißt “Die Gegenwart des faschistischen Subjekts. Autoritarismus – Pseudosozialismus – Eliminatorischer Faschismus”. Darin beziehe die in meinem Buch Die Faschisierung des Subjekts erarbeitete Theorie systematisch auf die Gegenwart der radikalen Rechten (AfD, Björn Höcke, NSU, usw.). Mein Beitrag kann direkt hier im PDF gelesen werden.

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